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Wirtschaftliches Engagement zur Förderung des Kinderschutzes

Rezension KriegLiebKind

In Deutschland sind jährlich mindestens 200.000 minderjährige Kinder von der Trennung oder Scheidung ihrer Eltern betroffen. Fortgesetzte Konflikte zwischen den Eltern führen oft dazu, dass ein Elternteil den anderen aus dem Familienverbund ausschließt. Die Rede ist von Eltern-Kind-Entfremdung. Durch Eltern-Kind-Entfremdung verlieren jährlich etwa 30.000 Kinder den Kontakt zu Mutter oder Vater. Die Folgen sind gravierend: Unter anderem entstehen Verhaltensstörungen und emotionale Belastungen wie Angst, Depressionen oder selbstverletzendes Verhalten. Aber auch die entfremdeten Elternteile sowie Großeltern und weitere Bezugspersonen der Kinder leiden unter dem Kontaktabbruch.

Diesem komplexen Problemthema widmet sich das Schauspiel KriegLiebKind unter der Regie von Yvonne Racine. Dr. Stefan Rücker forscht und berät seit vielen Jahren zu diesem Thema und wurde von den Organisatorinnen eingeladen, sich das Stück anzuschauen. Am 11. 09. 2020 fand eine Aufführung vor ausgewähltem Publikum in den Bremer Räumlichkeiten der Forschungsgruppe PETRA/WE-Kids statt. Die Schauspielerinnen Judith Schwendiger und Joni-Beth Brownlee boten eine kraftvolle, leidenschaftliche und authentische Collage, welche die Verwandlung von Glück zu Drama in elterlichen Beziehungen nachzeichnet.
Im Mittelpunkt stehen gegenseitige Schuldzuweisungen und die Verklärung der Vergangenheit. Die seelischen Erkrankungen der unter der Last des elterlichen Konflikts zusammenbrechenden Kinder hat selbstverständlich der jeweils andere Elternteil zu verantworten und am Ende stehen Entfremdungsprozesse. Die professionellen Schauspielerinnen transportieren sowohl die Folgen für Kinder, aber auch die Verzweiflung, die Resignation und den Fatalismus der entfremdeten Elternteile sowie die Ohnmacht des Systems so authentisch, als wären sie persönlich betroffen.

Das Stück greift das schwierige, komplexe Phänomen der Eltern-Kind-Entfremdung auf. Die Umsetzung ist dennoch hervorragend gelungen. Ein großes Kompliment erhält das Stück auch dafür, dass es Schuld nicht einseitig adressiert, sondern sowohl Mütter als auch Väter anspricht. Das Publikum war begeistert!

Von links: Die Schauspielerinnen Judith Schwendiger und Joni-Beth Brownlee, der Kinderschutz-Experte Dr. Stefan Rücker sowie die Organisatorinnen Susanne Hinderer und Manuela Fischer. Auf dem Foto fehlt die Regisseurin Yvonne Racine.